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Psychotherapie
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Grieser,
Jürgen (1998): Der phantasierte Vater. Zu Entstehung und Funktion des
Vaterbildes beim Sohn. Tübingen (edition diskord)
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Inhalt Einleitung Aus der Einleitung: Konnte noch vor zehn Jahren die Frage
aufgeworfen werden, ob dem Vater neben der Mutter eine spezifische Bedeutung
für die psychosexuelle Entwicklung des Kindes zukommt, so hat sich dies
inzwischen geändert. Das Konzept "Vater", das für Sigmund Freuds
Selbstanalyse und die Wissenschaft Psychoanalyse gleichermaßen konstituierend
war, erlebt nach einer Periode, in der die Mutter-Kind-Beziehung im Zentrum
der psychoanalytischen Theorie und Praxis stand, eine Renaissance. In jüngster
Zeit tritt der Vater in manchen psychologischen und pädagogischen Theorien
als ein wiederentdeckter oder wiederzubelebender Hoffnungsträger in
Erscheinung, dessen theoretische Rehabilitierung und
pädagogisch-therapeutische Aktivierung neue Perspektiven in individueller wie
gesellschaftlicher Hinsicht eröffnen sollen. Psychoanalytisch gesehen, handelt es sich
bei dem inneren Bild vom Vater, auf das sich jeder Mensch auf die eine oder
andere Art, bewußt oder unbewußt bezieht, um eine Medaille mit zwei Seiten:
Einerseits trägt die Vaterimago die Spuren von realen Interaktionen mit dem
Vater oder väterlichen Ersatzfiguren. Andererseits spiegelt sie Phantasien
wider, durch die die realen Interaktionen ersetzt, ergänzt oder überarbeitet
wurden. Gegenstand des vorliegenden Buches sind in erster Linie diese
phantasierten, imaginären oder "virtuellen" Aspekte, durch die sich
die Vaterimago von reinen Verinnerlichungen von Interaktionserfahrungen
mit realen väterlichen Objekten unterscheidet; aber auch auf die Bedeutung
der realen Beziehungserfahrungen wird immer wieder
eingegangen werden. Die ersten beiden Kapitel führen auf das
Thema hin, indem sie darstellen, wie der Vater von außen der Mutter-Kind-Dyade zur Seite gestellt wird und diese zur
Triade erweitert. In Kapitel I wird anhand der kulturellen Regelungen der
Vaterschaft deutlich, daß die Vater-Kind-Beziehung nicht wie die
Mutter-Kind-Beziehung als biologisch gegebenes Verhältnis verstanden wird,
sondern als eine durch die Kultur gestiftete Beziehung. Die Kultur sorgt mit
der Einsetzung eines Vaters dafür, daß die Mutter-Kind-Gemeinschaft zu einer
den sozialen Regeln des Verwandtschaftssystems unterworfenen Gruppe erweitert
wird. Analoges wird in Kapitel II für die Struktur der Phantasiewelt
aufgezeigt: Wie erst die Kultur den Vater dem Mutter-Kind-Paar zur Seite
stellt, führt zuerst die Mutter das väterliche Strukturelement in die
entstehende innere Welt des Kindes ein und gibt ihr damit ihre
dreidimensionale oder triadische Grundstruktur.
Diese Einführung des innerpsychischen Ortes des Vaters wird auch als
Anerkennung der symbolischen Ordnung der Kultur interpretiert, wozu, wie
Freud am Beispiel des Ödipuskomplexes aufgezeigt hat, auch die Anerkennung
des Inzestverbotes gehört. Auf Freuds Vaterphantasie und ihren
Niederschlag in der Psychoanalyse wird ausführlich in Kapitel III
eingegangen. Freud hatte, ausgehend von seiner eigenen Vaterthematik,
psychoanalytische Grundannahmen aus der Sicht eines Sohnes formuliert,
weshalb die Psychoanalyse Freuds später als eine Vater-Sohn-Psychologie
charakterisiert und kritisiert werden konnte. Am Beispiel Freuds und seiner
Vaterphantasien wird gezeigt, wie die Vaterimago immer wieder durch
Abwehrprozesse und Konstruktionen überarbeitet werden kann. Erinnerungsspuren
an reale Interaktionserfahrungen stehen dabei
Phantasien gegenüber. Am Beispiel der Fallgeschichte des Kleinen Hans wird
beschrieben, wie aktiv Freud seine Grundannahmen über die ödipale
Vater-Sohn-Konstellation in eine Behandlung einzuführen versuchte. In Kapitel IV wird unter genetischen
Gesichtspunkten die Entwicklung der Vater-Sohn-Beziehung von der Geburt bis
ins frühe Erwachsenenalter dargestellt. Die Bedeutung des Vaters für die
Modulation der Aggression des Sohnes und seine Rolle im Prozeß der Ablösung des
Sohnes von der Familie in der Adoleszenz werden dabei besonders
herausgearbeitet. Eine Darstellung der Funktion von Übergangsritualen in
Kapitel V vertieft diese Überlegungen zum Schicksal der Vater-Beziehung in
der Adoleszenz. Die Initiationsriten der Adoleszenz sind gesellschaftliche
Institutionen, die als Katalysatoren Übergänge in der Entwicklung und
Ablösung der Jugendlichen in einer kulturell determinierten, meist
krisenhaften Form unterstützen oder erzwingen. Die Unterwerfung des Sohnes
unter das von der Gruppe der Väter durchgeführte Initiationsritual wird mit
der Teilhabe an der gesellschaftlich organisierten männlichen Identität
belohnt. Am Beispiel von Söhnen, die ohne Väter
aufwachsen, lassen sich die phantasierten oder virtuellen Anteile der
Vaterimago am besten beobachten. In Kapitel VI wird nicht nur auf die
Probleme eingegangen, die die Abwesenheit des Vaters mit sich bringen kann,
und auf Lösungsversuche, wie zum Beispiel die Konstruktion der Imago eines
abwesenden Vaters, sondern auch auf Entwicklungschancen, die die Bewältigung
der Vaterlosigkeit bietet. Am Beispiel von Jean-Paul Sartre wird auf die
kreativen, die Phantasie befreienden Möglichkeiten hingewiesen, die ein Sohn
in seiner Vaterlosigkeit finden kann. Die Konflikte zwischen Sohn und anwesendem
Vater werden unter dem Aspekt der Verfremdung der Vaterimago in Kapitel VII
abgehandelt. Dort wird untersucht, wie die aggressive Spannung zwischen Vater
und Sohn blockiert, unbewußt gemacht oder im Schweigen eingefroren wird.
Diese Überarbeitungen der Vaterimago am Ende der Adoleszenz und im
Erwachsenenalter rücken das Bild des Vaters wieder in jene Ferne der
Außenwelt, aus der der Vater als Fremder ursprünglich auf der inneren Bühne
des Sohnes erschienen war. Auf der anderen Seite findet sich aber auch die Omnipräsenz einer ins Allmächtige verzerrten Vaterimago
wie bei Kafka oder Schreber, die den dreidimensionalen psychischen Raum um
eine Dimension zu reduzieren und den Zugang zur Realität zu verschließen
droht. Die Befunde zu Konstruktion und Funktion
des Vaterbildes können immer auch als Ausdruck zeitgebundener Ideologien über
den Vater gelesen werden. Diese sind in einer ständigen historischen
Veränderung begriffen und prägen die Psychoanalyse im allgemeinen und die
vorliegende Arbeit im besonderen. Auch die aktuelle Diskussion über die
Bedeutung des Vaters spielt sich in einem ideologischen Kontext ab, der wegen
der fehlenden zeitlichen Distanz nur noch nicht kritisch aufgearbeitet und
eindeutig sichtbar gemacht werden kann. Doch kann das Kapitel VIII über die
Vatermetapher in der psychoanalytischen Gesellschaftstheorie vielleicht schon
einige Hinweise in diese Richtung geben. Es wird in diesem abschließenden
Kapitel auf die Bedeutung der Vater-Sohn-Beziehung für die sozialpsychologischen
Konzepte von Freud bis heute eingegangen, und auf den Einfluß, die der Wandel
des kulturellen Status des Vaters auf die Söhne, ihre Vaterimagines und auf
die theoretischen Konzepte über die Gesellschaft hat. Die Anpassung an
Veränderungsprozesse in der sich wandelnden Gesellschaft verstärkt die
virtuellen Anteile der Vaterimago auf Kosten der Internalisierungen des
realen Vaters. Prototyp dafür ist die Adoleszenz, weil beim Übergang von der
Familie in die Gesellschaft die Labilität der Vaterimago für intrapsychische Überarbeitungen eine besondere Rolle
spielt. Sie können dieses Buch bei Ihrer
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