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Psychotherapie
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Grieser,
Jürgen (1999): Die Vater-Sohn-Beziehung: Das Vaterbild zwischen Phantasie und
Wirklichkeit. |
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Auszug: Die Beziehung zwischen Vater und Sohn wird
meistens unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung des Vaters für den Sohn
beschrieben; der Vater ist das Gegebene, der Sohn tritt in die Welt und muß
sich mit diesem Vater oder mit dessen Abwesenheit auseinandersetzen. Wer sich
als Mann mit der Vater-Sohn-Beziehung beschäftigt, ist immer mehr Sohn als
Vater; wir üben den Blick des Sohnes auf den Vater jahrzehntelang ein, bevor
wir selber Vater werden und die Beziehungen auch aus dieser Perspektive
erleben und erforschen. Das schlägt sich natürlich in unseren
Forschungsansätzen und -ergebnissen nieder. Auch ich werde in den folgenden
Ausführungen das Vaterbild des Sohnes ins Zentrum stellen, möchte dabei aber
aufzeigen, daß mindestens vier Dimensionen zu berücksichtigen sind, damit das
Vaterbild in seiner Entstehung und Funktion verstanden werden kann. Diese
vier Dimensionen sind erstens der Beitrag des Vaters, zweitens der Anteil des
Sohnes, drittens die Entwicklungs- und Interaktionsdynamik in der Triade
Vater-Mutter-Kind und viertens die kulturelle Bestimmung der Rolle des
Vaters. Was ist unter dem Begriff
"Vaterbild" zu verstehen? Beim Vaterbild handelt es sich um ein
Bündel von Erwartungs- und Interaktionsmustern, die sich auf die
Objektrepräsentanz des Vaters beziehen. Aus der Sicht der
Objektbeziehungstheorien ist eine Objektrepräsentanz eine Phantasie, die aus
einer Vorstellung vom Selbst und einer Vorstellung vom Objekt besteht, welche
durch eine Interaktion und die sie begleitenden Affekte miteinander verbunden
sind. Das innere Bild, das jeder Mensch von seinem Vater mit sich trägt und
auf das er sich bewußt oder unbewußt bezieht, trägt einerseits Spuren von
realen Interaktionen mit dem Vater oder väterlichen Ersatzfiguren,
andererseits spiegelt es Phantasien wider, durch die die realen Interaktionen
ersetzt, ergänzt oder überarbeitet wurden. Wenn ich mich im folgenden mit
dieser Differenz zwischen der realen Person des Vaters und dem Vaterbild des
Sohnes beschäftige, so bedeutet das nicht, daß die realen Interaktionen mit
dem Vater vernachlässigt werden könnten. Doch weil die Vorstellungen auf der
inneren Bühne Überarbeitungen unterworfen und durch Neuinszenierungen ersetzt
werden, können die inneren Objekte des Menschen "nicht als eine
Widerspiegelung des Realen, auch nicht des mehr oder weniger entstellten
Realen verstanden werden, wie Laplanche und Pontalis festhalten. Die
Phantasietätigkeit des Sohnes nimmt also Einfluß auf das Vaterbild, und umgekehrt
nimmt auch das Vaterbild Einfluß auf die kognitiven Prozesse des Sohnes. |
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